Abklärung und Therapie von Hörstörungen

Abklärung und Therapie von Hörstörungen

Hören ist nicht gleich Verstehen. Vereinfacht erfolgt das Hören durch die Aufnahme der Schallwellen nach Verstärkung im Mittelohr im Innenohr mit frequenzspezifischer Umsetzung in Nervenimpulse. Diese werden über den Hörnerv an zentrale Hirnareale weitergeleitet, wo die Erkennung und Zuordnung stattfindet und so letztendlich zum bewussten Verstehen wird.

Hörstörungen und Hörscreening bei Säuglingen

Nach der Geburt findet ein vom Gesetzgeber gefördertes Hörscreening zur Erkennung angeborener Hörstörungen normalerweise noch im Krankenhaus statt. Sollte dies nicht aussagefähig sein oder es sich um eine Hausgeburt handeln, sollte dieses Screening bis zum 10. Lebenstag bei einem dafür spezialisiertem Arzt (u.a. Hals-Nasen-Ohrenarzt) durchgeführt werden, so dass eine zügige Therapieplanung bei eventuellen angeborenen Hörstörungen noch innerhalb des ersten Lebensjahres erfolgen kann. Selbstverständlich bieten wir diese Leistung in unserer Praxis an.

Hörstörungen im Kindesalter

Im kindlichen Alter sind Hörstörungen meist bedingt durch wiederholte Flüssigkeitsansammlungen im Mittelohr mit und ohne Mittelohrentzündungen. Natürlich gibt es auch andere Ursachen für eine Störung der Hörfunktion. Symptomatisch werden die Kinder dann meist durch sehr lautes Reden, fehlende Reaktion auf Ansprachen und eventuelle Verzögerungen in der Sprachentwicklung auffällig. Eine genaue Abklärung ist auch in Betracht der Sprachentwicklung unbedingt zu klären, da eine eventuell notwendige Sprachheiltherapie nur bei guter Hörfähigkeit erfolgversprechend ist. Umfangreiche subjektive und objektive Hörtestungen, insbesondere auf Kinder zugeschnitten, stehen in unserer Praxis zur Verfügung. Sollten tatsächlich Hörstörungen vorliegen, muss der therapeutische Weg geplant werden. Auch hier bieten wir sowohl konservative als auch operative Möglichkeiten in unserer Praxis.

Hörstörungen als Teenager

Im heranwachsenden Alter sind Ursachen der Verschlechterungen der Hörfunktion überwiegend durch unfallbedingte Schäden des Mittel- bzw. Innenohrs (z.B. Schläge auf das Ohr, Knalltrauma, Lärmtrauma durch Kopfhörer) oder wiederholte Entzündungen festzustellen. Natürlich sind hier auch immer andere Ursachen möglich. Wie schon bei Kindern bieten wir hier ebenfalls zur Vermeidung späterer Schäden eine exakte Diagnostik mit subjektiven und objektiven Hörtesten zur Planung einer individuellen Therapie.

Hörstörungen als Erwachsener

Bei Erwachsenen und im Alter treten dann verschiedene Ursachen einer Hörstörung auf:

  • Plötzliche Verschlechterungen, vor allem, wenn sie unabhängig von Infekten auftreten, können auf einen Hörsturz hinweisen. Sollte es innerhalb von ein bis zwei Tagen nicht besser werden, sollte eine umgehende Untersuchung und evtl. Hörtestung erfolgen, da eine Therapie nach heute wissenschaftlicher Datenbasis nach spätestens drei Tagen eingeleitet werden sollte. Unsere Helferinnen werden deswegen Fragen stellen (auch am Telefon), um die Dringlichkeit einzuschätzen und Ihnen falls nötig noch am selben Tag einen Termin zu geben.
  • Für akute Entzündungen in Verbindung der Hörstörung sind häufig Belüftungsstörungen über die Ohrtrompete (Eustachi'sche Röhre) oder Verlegungen des Gehörganges ursächlich. Erstmaßnahmen wären abschwellende Nasentropfen zur Wiederherstellung der Belüftung. Sollte es nicht zur Besserung kommen, ist eine ärztliche Untersuchung (z.B. beim Hals-Nasen-Ohrenarzt) mit evtl. umfangreicher Hörtestung zu empfehlen.
  • Bei einer überwiegenden Anzahl ist die Schwerhörigkeit von einem schleichenden Verlauf. Neben berufsbedingten Ursachen (Unfall, Lärmbelastung) kommen degenerative (verschleißbedingte) Ursachen (Ohr und Gehirn) in Frage. Nach Hörtestung stehen konservative Maßnahmen (z.B. Hörgerät) oder operative Maßnahmen zur Verfügung. Welches für Sie die geeignetste Maßnahme ist, werden wir mit Ihnen gemeinsam erörtern. Bei Verdacht auf eine berufsbedingte Ursache werden wir in Abstimmung mit Ihnen eine Anzeige bei der Berufsgenossenschaft erstellen.

Ton- und Sprachhörtest

Test bei Jugendlichen und Erwachsenen.
Hierbei wird mit Tönen, Zahlen und Worten die Hörschwelle bestimmt.

Impedanz und Reflexhörtest

Die Impedanzmessung ist die Messung des akustischen Scheinwiderstandes des Trommelfells.
Beim Reflexhörtest wird geprüft, ob der Stapediuessehnenreflex funktioniert. Dieser schützt das Innenohr vor plötzlich auftretendem starkem Lärm.

Kinderaudiometrie

Sprachhörteste, die speziell auf Kinder abgestimmt sind.

objektive Hörteste

Hörteste, die vor allem bei Personen zum Einsatz kommen, wo keine ausreichende eigene Mitarbeit möglich ist, z.B. kleine Kinder oder sprachliche Barrieren.

Neugeborenenhörscreening (AABR)

Hierbei wird mit Tönen die Reflexantwort des Hirnstamms gemessen.
Der Test dauert in aller Regel maximal 60 Sekunden je Ohr (meist schneller) und ist eine zuverlässige Methode zur Bestimmung der Hörfähigkeit nach der Geburt.
Die Krankenkassen bezahlen das Hörscreening bis zur U2 (10. Lebenstag) nach der Geburt.

Otoakustische Emissionen (OAE)

Hierbei wird mit Tönen die Reflexantwort des Innenohrs gemessen.
Der Test dauert in aller Regel maximal 60 Sekunden je Ohr (meist schneller). Dies ist ebenfalls ein Teil des Neugeborenenhörscreenings, wird aber auch im höheren Alter eingesetzt.
Die Krankenkassen bezahlen das Hörscreening bis zur U2 (10. Lebenstag) nach der Geburt.

Hirnstammaudiometrie (BERA)

Hierbei wird mit Klicktönen die Hirnstammhörschwelle ermittelt.

Hörgeräteverordnung und -kontrolle

Wenn die Voraussetzungen für ein Hörgerät vorliegen, stellen wir Ihnen eine Hörgeräteverordnung aus. Diese ist vergleichbar mit einem Rezept und grundsätzlich nötig für eine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung.
Außerdem führen wir Hörgerätekontrollen und Hörprüfungen mit Hörgeräten durch.

Hörsturztherapie

Ein Hörsturz ist eine plötzliche, meist einseitige Verschlechterung der Hörfähigkeit. Entgegen langläufiger Meinung ist es kein Notfall, sondern ein dringlicher Fall. Häufig kommt es innerhalb von 24 Stunden zu einer genauso plötzlichen Wiederherstellung der Hörfähigkeit, ohne dass eine Therapie oder ärztliche Kontrolle erforderlich ist. Hat sich nach einem Tag die Hörfähigkeit nicht normalisiert, sollte eine ärztliche Kontrolle angestrebt werden, da zur Sicherung der Erfolgsaussichten die Therapie spätestens drei Tage nach Beginn der Verschlechterung einsetzen sollte.

Infusionsbehandlung

Bei einem Hörsturz ist eine kortisonhaltige Infusionsbehandlung häufig erfolgreich, wenn sie möglichst innerhalb der ersten 10 bis 14 Tage nach dem Einsetzen der Beschwerden begonnen wird.

Intratympanale Corticoidtherapie

Hierbei wird in lokaler Betäubung Cortison durch das Trommelfell ins Mittelohr gespritzt. Erfolgsaussichten dieser Therapie sind bis sechs Wochen nach Verschlechterung möglich.

Phoniatrie und Pädaudiologie

Beschäftigt sich mit Stimm-, Sprech- und Sprachstörungen jeden Alters.

Durch Herrn Edgardo Fignone, Facharzt für Phoniatrie, Pädaudiologie und Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, bieten wir eine Sprechstunde insbesondere in diesem Bereich. Da diese Untersuchung zeitintensiv sein kann ist eine Terminabsprache unbedingt erforderlich. Bitte bringen Sie Unterlagen über Vorerkrankungen, Medikamente, Operationen und ggf. Therapieberichte zur Untersuchung mit.

Die Sprachentwicklung findet vor allem in der Kindheit statt und ist dort vielfältigen Störungen ausgeliefert. Bei Auffälligkeiten ist eine kindgerechte Untersuchung inkl. Hörprüfungen nötig. Ggf. erfolgt mit Ihnen zusammen eine Therapieplanung, die für die Entwicklung Ihres Kindes entscheidend ist.

Stimmstörungen können aber in jedem Alter auftreten, zum Beispiel nach Operationen oder Schlaganfällen, und können therapiepflichtig werden. Auch hier ist eine exakte Diagnostik zur Therapieplanung zwingend erforderlich